DZITM QUALITÄTSBERICHT FÜR DIE UROLOGISCHE KLINIK NEUSS


Qualitätskontrolle der Transurethralen ,bipolaren Prostataresektion in saliner Lösung

(TURiS-P) 2007-2011

Urologische Klinik der Städtischen Kliniken Neuss, Lukaskrankenhaus GmbH

 

Standard in der endoskopischen Abtragung der Prostata ist die monopolare Prostataresektion. Auf der Basis einer Metaanalyse besteht ein operativ bedingtes TUR-Syndrom mit lebensbedrohlicher Serumelektrolytverschiebung und dem Bild der Hyperhydratation und Hyponatriämie bei 1% der Patienten. Transfusionen sind in bis zu 5% erforderlich und Harnwegsinfekte treten bei 20% der Patienten auf. Eine Harnröhrenstriktur wird in bis zu 11% und eine postoperative sekundäre erektile Dysfunktion bei bis zu 40% der Patienten berichtet.

Die Anwendung bipolaren Stroms unter Erzeugung eines Plasmabogens benötigt isotone Spüllösung, im Sinne physiologischer Kochsalzlösung. Die Tatsache das unter Verwendung bipolaren Stroms das Anlegen einer Neutralelektrode am Patienten nicht erforderlich ist, könnte sich positiv auf den Erhalt der erektilen Funktion auswirken, da elektrisch bedingte thermische Schäden an den der Prostata anliegenden neurovaskulären Bündeln nicht zu erwarten sind. Ein weiterer Aspekt ist die histomorphologische Beurteilbarkeit der Präparate im Vergleich zur herkömmlichen Technik.

Neben den möglichen Vorteilen ist die bipolare Resektionstechnik einer Effektivitätsprüfung unterzogen worden. Diese wird gemessen am postoperativen Uroflow, der Katheterverweildauer und der Resektionszeit in Korrelation zur Prostatagröße.

 

Ergebnisse
Von Januar 2007 bis Dezember 2011 sind 1758 Patienten bipolar Prostata reseziert worden.

Transfusionspflichtige Blutungen sind bei 1.3 % der Patienten aufgetreten. Ein TUR-Syndrom ist bei keinem Patienten entstanden. Kein Patient ist perioperativ verstorben. Die postoperativen Elektrolytkontrollen sind seit dem 113. Patienten nicht mehr durchgeführt worden. Eine Blasenhalsstenose ist bei 1.5% der Patienten und eine Harnröhrenstriktur bei 2% der Patienten beobachtet worden. Alle Patienten haben perioperativ eine antibiotische Infektprophylaxe erhalten. Die mittlere Katheterverweildauer beträgt 2.2 Tage bei einem signifikant verbesserten Uroflow von 21ml/sec im Vergleich zu einem präoperativen Uroflow von 7.4 ml/sec. Die stationäre Verweildauer beträgt 5.3 Tage bei einer postoperativen Verweildauer von 3.3 Tagen.

Bei 2% der Patienten trat postoperativ nach Katheterentfernung ein fieberhafter Harnwegsinfekt auf. Eine Subgruppenanalyse auf der Basis von 150 präoperativ sexuell aktiven Männern zeigt postoperativ eine nicht geänderte erektile Funktion bei 67%. Eine Besserung geben 23% der Patienten an und 10% der Männer berichten über eine verminderte erektile Funktion. Die histopathologische Beurteilbarkeit der Präparate ist uneingeschränkt möglich. Die Resektionszeit beträgt 45 sec./gr. Gewebe und beträgt im Mittel 39 min. bei einem mittleren Prostataresektionsgewicht von 52 gr..

 

Die Ergebnisse können wie folgt zusammen gefasst werden:

0.0% TUR-Syndrom

0.0% Mortalität

1.3% transfusionspflichtige Blutungen

2.0% Blasenhalsstrikturen

1.5% Harnröhrenstrikturen

23% Verbesserung der erektile Dysfunktion

0.1% Harninkontinenz

Resektionszeit = 45 sec/gr. Gewebe

2.2 Tage Katheterverweildauer

postoperative Krankenhausverweildauer beträgt 3.3 Tage

optimale histopathologische Beurteilbarkeit

verbesserter postoperativer Harnfluss mit einem Uroflow von 21ml/sec

 

Fazit
Die bipolare Resektion der Prostata in saliner Lösung ist ein gleichermaßen sicheres wie effektives Verfahren und hat in unserer Einrichtung die bisherige monopolare Resektion der Prostata abgelöst.

 

 

Qualitätskontrolle der Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms

2007-2011

Urologische Klinik der Städtischen Kliniken Neuss, Lukaskrankenhaus GmbH

 

In der Zeit von 2007-2011 sind mit der Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms 919 Patienten behandelt worden. 347 Patienten sind radikal prostatektomiert worden, 68 Patienten ergielten eine Brachytherapie, 304 Patienten wurden infolge erschwerten Wasserlassens transurethral reseziiert und ca 200 Patienten sind alleinig beobachtet worden (watchful waiting).

Behandlungsstrategie nach Erstdiagnose eines Prostatakarzinom im Zeitraum 2005-2009

Watchful waiting 200 / 919 21 %

TUR-P 304 / 919 33 %

Radikale Prostatektomie 347 / 919 38 %

Brachytherapie 68 / 919 7 %

Gesamt 919 100%

Wie sicher ist die praeoperative Diagnostik ?
Anhand der Stanzbiopsie der Prostata in Kombination mit dem PSA Wert erfolgt die Klassifikation in 3 Risikogruppen.
Low risk 13%
Intermediate risk 47%
High risk 40%

Die praeoperativ erhobene Risikoeinteilung stimmt mit dem postoperativen Befund nur in weniger als der Hälfte überein (45%). Dies schränkt die Aussage gerade für low risk Prostatakarzinom deutlich ein und ist auch hier in jedem 4. Fall falsch!

Fazit: Die praeoperative Diagnose „Prostatakarzinom“ ist zwar zu 100% sicher; eine weitere Risikogruppierung ist jedoch mit einer hohen Fehlerquote behaftet.

Ergebnisse des watchful waiting
Von Januar 2007 bis November 2011 haben sich 200 Patienten mit der Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms für eine abwartende Haltung ohne sofortige Therapie entschieden. Ursache dafür war ein vermuteter insignifikanter Tumor, ein hohes Alter oder vorhandene schwere Begleiterkrankungen. Kontrolle und weitere Betreuung dieser Patienten erfolgt durch die niedergelassenen Kollegen.


Ergebnisse der transurethralen Prostatakarzinomresektion
Von Januar 2007 bis November 2011 sind 1690 Patienten bipolar, transurethral Prostata reseziert worden. 304 Patienten wegen eines Prostatakarzinoms mit Obstruktion, d.h. Behinderung des Wasserlassens. Eine kurative Lokaltherapie war aufgrund des Alters, vorhandener schwerer Begleiterkrankungen oder aufgrund eines lokal fortgeschrittenen Tumorstadiums nicht erfolgt.

Das mittlere Alter beträgt 75.7 Jahre und die Mindestnachsorge 12 Monate.

Transfusionspflichtige Blutungen sind bei 1.3 % der Patienten aufgetreten. Ein TUR-Syndrom ist bei keinem Patienten entstanden. Die postoperativen Elektrolytkontrollen sind seit dem 113. Patienten nicht mehr durchgeführt worden. Eine Blasenhalsstenose ist bei 1.5% der Patienten und eine Harnröhrenstriktur bei 2% der Patienten beobachtet worden. Alle Patienten haben perioperativ eine antibiotische Infektprophylaxe erhalten. Die mittlere Katheterverweildauer beträgt 2.2 Tage bei einem signifikant verbesserten Uroflow von 21ml/sec im Vergleich zu einem präoperativen Uroflow von 7.4 ml. Die stationäre Verweildauer beträgt 5.3 Tage bei einer postoperativen Verweildauer von 3.3 Tagen.

Bei 2% der Patienten trat postoperativ nach Katheterentfernung ein fieberhafter Harnwegsinfekt auf. Die histopathologische Beurteilbarkeit der Präparate ist nach bipoolarer Resektion uneingeschränkt möglich. Die Resektionszeit beträgt 45 sec./gr. Gewebe und beträgt im Mittel 39 min. bei einem mittleren Prostataresektionsgewicht von 52 gr..

Ergebnisse der radikalen Prostatovesikulektomie:
In der Zeit von 2007-2011 sind mit der Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms 347 Patienten radikal prostatektomiert worden. Das mittlere Alter der Patienten beträgt 66 Jahre.

Operationszeit (Schnitt-/Nahtzeit)
72 Minuten (range:48-120)

Transfusion (intraoperativ)
3/347

Postoperative Verweildauer
9.3 Tage (range: 6-21)

Krankenhausverweildauer
11.7 Tage

Katheterverweildauer
10.2 Tage

Wir wenden eine Anastomosentechnik bei der Verbindung von der Harnröhre mit der Harnblase unter Verwendung von nur 4 Nähten an. Vorteil ist, das die Durchblutung der Anastomose optimal bleibt; Nachteil dieser Technik ist, das die Anastomose nicht wasserdicht ist und zunächst über einen Harnröhrenkatheter geschient wird. Die Verwendung multiperforierter Harnröhrenkatheter hat die Katheterverweildauer von 15 auf 10 Tage reduziert.

Lokales Tumorstadium
Die Analyse der radikalchirurgisch behandelten Patienten zeigt für die Jahre 2005-2009 eine unabhängig von den Jahren stabile histopathologische Stadienverteilung in Bezug auf das T-Stadium:
PT2a 10/347 (3%)
PT2b 13/347 (4%)
PT2c 212/347 (61%)
PT3a 69/347 (20%)
PT3b 41/347 (12%)

Lymphknotenstatus
pNo 345/347 (99.6%)
pN1 2/347 ( 0.6%)

Ein Tumorbefall der Lymphknoten im Rahmen der extendierten Lymphadenektomie ist bei 2/347 (0.6%) der Patienten ermittelt worden. Dies unterstreicht die gute Selektion unserer Patienten mit lokal begrenzter Erkrankung. Aus diesem Grund verzichten wir auf ein zweizeitiges Vorgehen im Rahmen einer Initialoperation die der ausschließlichen Lymhknotengewinnung dient. Auch verzichten wir bei in der Operation unauffälligen Lymphknoten auf eine Schnellschnittuntersuchung und erzielen damit noch kürzere Operations- und Narkosezeiten für unsere Patienten.

Entfernung des Tumors im Gesunden-Resektionsstatus

  R0
R1
PT2 202 / 212 (95.2%) 10 / 212 ( 4.8%)
PT3 83 / 110 (75.5%) 27 / 110 (24.5%)

 

 

 



Betrachtet man die Rate der im Gesunden entfernten Tumore, so findet sich eine R0 Resektion bei allen pT2a/b Tumoren. Die Rate R0 reseziierter Patienten beträgt für die pT2c Tumore 95.2% (10/212). Zudem ist in allen 10 Fällen der positive Absetzungsrand zur Harnröhre gelegen, wo die Resektionsgrenze prinzipiell durch den Schließmuskel (m.sphincter externus) strikt begrenzt ist. Deutlich zu nimmt die R1 Rate bei pT3 Tumore. Hier läßt sich eine chirurgisch gesicherte Tumorfreiheit, d.h. R0 Resektion dennoch bei 75% (83/110) erzielen.

Bedeutung der Nachbestrahlung
Aufgrund der aktuellen Datenlage empfehlen wir bei T3a oder R1 Situationen keine prinzipielle adjuvante Radiotherapie sondern warten bis zum PSA Anstieg. Der PSA Anstieg sollte jedoch 1.0ng/ml nicht wesentlich übersteigen

Ergebnisse zur Sphinkterläsion nach radikaler Prostatektomie
Bei 4 / 347 Patienten (1.1%) besteht eine operationsbedingte Belastungsinkontinenz dritten Grades. Bei 2/4 Patienten war der Sphinkteraufbau mit autologen Myoblasten erfolgreich.

Indikation zur neuroprotektiven radikalen Prostatektomie
Die Möglichkeit des Potenzerhaltes durch nervschonendes Operieren wird ärztlicherseits deutlich überschätzt. Prospektive randomisierte Studien belegen einen tatsächlichen Potenzerhalt bei optimalen Bedingungen von nur 25%. Die nerverhaltende radikale Prostatektomie ist in unserem Patientengut zudem in nur in ca. 5% (PSA<10ng/ml, Gleason score<7, weniger als die Hälfte der Stanzen positiv, Befall nur eines Prostatalappens ) indiziert. Es bleibt zu klären wie zuverlässig die praeoperative Diagnostik ,basierend auf PSA, Stanzbiopsie und klinischer Untersuchung eine Einteilung in low risk Prostatakarzinome erlaubt und damit auch ein neuroprotektives operieren indiziert ist.

Warum beträgt die Inkontinenzrate in unserem Patientengut nur 1.1% ?
Wir konnten durch die Behandlung auswärtig erfolgter Sphinkterschäden bei mehr als 160 Patienten zeigen, dass der Sphinkterschädigung drei verschiedene Verletzungsmustern zugrunde liegen. Dies sind :

1. eine direkte Verletzung des Sphinkters bedingt durch eine fehlerhafte Apexpräparation

2. eine Durchstechung des Sphinkters bei der Anastomosennaht

3. eine indirekte Sphinkterschädigung durch prä- und/oder postsphinktäre Harnröhrenengen.

Selten besteht eine isolierte Schädigung durch nur einen der oben beschriebenen Defekte.

Meistens besteht somit ein kombiniertes Verletzungsmustern.
Im Rahmen eines intraoperativen Fehlermanagements bedarf die Apexpräperation der besonderen Beachtung. Zur Vermeidung von Sphinkterdurchstechungen ist die Verwendung kleiner wie halbrunder Nadeln zu empfehlen ( 27.0 mm 5/8c UR- 6, 2-0).
Im Rahmen eines postoperativen Fehlermanagements sind im Besonderen die Sphinkterdurchstechungen ohne Durchschneidung des Schließmuskels von Interesse. Die Sphinkterdurchstechung zeigt sich nach Auffüllen der Harnblase und anschließender Katheterentfernung durch einen Strikturflow (<10ml/sec) kombiniert mit einer Harninkontinenz. Bei der Befundkonstellation empfehlen wir die endoskopische transurethrale Diagnostik mit der Entfernung der Anastomosennähte. Frühzeitig durchgeführt kann dadurch eine Harninkontinenz vermieden werden.
Durch die konsequente Umsetzung dieser Erkenntnisse ist die Inkontinenzrate in unserem Patientengut auf 4/347 (1%) gesenkt worden.

LDR Brachytherapie
Von Patienten mit dem Einschlusskriterium „low risk“ Prostatakarzinom (PSA<10ng/ml, Gleason score<7, weniger als die Hälfte der Stanzen positiv, Befall nur eines Prostatalappens) und dem Wunsch nach Lokaltherapie sind 68/78 Patienten brachytherapiert worden. Die Brachytherapie erfolgte ohne vorherige Lymphadenektomie. Die Behandlung erfolgt in einem kurzen, 3 tägigen Aufenthalt. Im Rahmen der Vorplanung erfolgt die Vermessung der Prostata mit Festlegung der Seedgesamtzahl und Seedpositionierung. Nach Erhalt der aktuell gefertigten Seeds erfolgt die Positionierung der Seeds im bildgebenden Abgleich. Zwei Wochen postoperativ erfolgt die radiologische Prüfung der Seedpositionierung mit nachfolgendem Datenabgleich und definitiver Dosimetrie. Die tumorbezogenen frühen Nachsorgebefunde sind bislang ohne Hinweis auf eine Tumorprogression.
Schwerwiegende Nebenwirkungen mit konsekutiver Harnableitung mittels Ileumconduit (n=2) oder dopelläufiger Harnleiterhautfistel (n=1) nach Brachytherapie sind bei 3 der 68 Patienten (4%) aufgetreten. Bei 5 Patienten besteht eine medikamentös behandelte Drangsymptomatik und 60/68 Patienten sind nebenwirkungsfrei.

Fazit
Voraussetzung ist eine optimale Beratung der Patienten mit risikoadaptierten Empfehlungen. Zu nennen sind die abwartende Strategie (watchful waiting), die symptomatische Behandlung bei Vorliegen von Beschwerden, die Strahlentherapie und operative Behandlungskonzepte. Unsere Qualitätsanalyse belegt eine hohe Präzision der diagnostischen wie therapeutischen Maßnahmen.. Onkologisches und funktionelles Ergebnis sind im weltweiten Vergleich herausragend.

Literatur der Arbeitsgruppe zum Thema
1. T.Otto et al.
Solide Tumoren
In: Medizinische Therapie 2007/2008,Hrsgb.:J.Schölmerich,S215-275,2007.

2. T.Otto, C.Eimer, H.Gerullis
Repair of iatrogenic sphincter damage and urinary incontinence by autologous skeletal muscle derived cells (MDC).
J.Urol.179 (4):1415, 2008

3. T.Otto et al.
Repair of iatrogenic sphincter damage and urinary incontinence by autologous skeletal muscle derived cells (MDC).
Transplantationsmedizin (Suppl.2):134,2008.

4. T.Otto et al.
Re: White et al..: Comparative analysis of surgical margins between radical retropubic prostatectomy and RALP: Are patients sacrified during initiation of robotic program?
Urology 74:475-478,2009

5. T.Otto et al.
Targeted Therapy in der Uro Onkologie
DZO, 41:10-14,2009

6. T.Otto
Uro-Onkologie-Update 2009
Urologe 48()):1056-1058,2009.

7. T.Otto et al.
Iatrogene Schließmuskelverletzungen zum Teil vermeidbar.
Urologische Nachrichten 9(1),2009.

8. T.Otto
Urologische Tumore,S.149-262
In: Colloquium Onkologie 8,2009

 

 

Qualitätskontrolle der Harnblasentumorbehandlung

2007-2011

Urologische Klinik der Städtischen Kliniken Neuss, Lukaskrankenhaus GmbH


Im Zeitraum von Januar 2007 bis Dezember 2011 sind in der urologischen Klinik 3805 Blasentumoroperationen erfolgt. Dabei erfolgte in 3584 Fällen die Blasentumorabtragung endoskopisch, d.h. durch die Harnröhre als transurethrale Blasentumorresektion. Bei 218 Patienten wurde eine radikalchirurgische Behandlung im Sinne der Harnblasenentfernung durchgeführt. Das mittlere Alter der Patienten beträgt 68.2 Jahre (range:36-90Jahre).

Bipolare transurethrale Harnblasentumorresektion in saliner Lösung (TURiS-B)

Wir haben den Standard in der endoskopischen Abtragung von Harnblasentumoren- die sogenannte monopolare Harnblasentumorresektion- durch die Anwendung bipolaren Stroms ersetzt und nachhaltig verbessert. Die Tatsache das unter Verwendung bipolaren Stroms elektrisch bedingte thermische Schäden nicht mehr auftreten hat positive Auswirkungen. Nervschädigungen sexualitätsrelevanter Nervenfasern sind ausgeschlossen, ebenso wie die Gefahr von Hautverbrennungen. Störströme die Herzschrittmacher Zudem ist das Auftreten eines lebensbedrohlichen TUR-Syndroms nicht möglich. Auch ist das Arbeiten an Problemzonen in der Harnblase wie den Harnleitermündungen oder der Hinterwand der Harnblase erleichtert. Ein weiterer Aspekt ist die excellente histomorphologische Beurteilbarkeit der Präparate im Vergleich zur herkömmlichen Technik.

Ergebnisse
Die Methode der transurethralen Blasentumoresektion in saliner Lösung (TURiS-B) ermittelt an 3584 Behandlungsfällen bedingt:

0 % Harninkontinenz

0% Mortalität

0% TUR-Syndrom

0.3% Blasenperforation

0.5% transfusionspflichtige Blutungen

1.5% Harnröhrenstrikturen

optimierte Resektionszeit mit einer Operationsdauer von 12min (range: 3-25)
1.2 Tage Katheterverweildauer
postoperative Krankenhausverweildauer beträgt 1.5 Tage
optimale histopathologische Beurteilbarkeit

Schlussfolgerung
Die bipolare Resektion von Harnblasentumoren in saliner Lösung ist ein gleichermaßen sicheres wie effektives Verfahren und hat in unserer Einrichtung die bisherige monopolare Resektion von Harnblasentumoren abgelöst.

Radikale Cystektomie
Die radikale Zystektomie ist in diesem Tumorstadium akzeptiert. Sie lässt 5-Jahres-Überlebensraten im Stadium T2 von 75 %, im Stadium T3 von etwa 40 % und im Stadium T4 von 24 % erwarten. Die radikale Cystektomie und die verschiedenen Formen der Harnableitung erfordern eine große Expertise von Seiten des Operateurs. Noch mehr als im Rahmen der Prostatachirurgie hängt das Gelingen der operativen Maßnahme vom Operateur , seiner Erfahrung und den perioperativen, intensivmedizinischen Möglichkeiten ab (V Ficarra et al EurUrol 55:1037-1063,2009).

Ergebnisse
Im Zeitraum von Januar 2005 bis Dezember 2009 sind in der urologischen Klinik 218 Patienten einer radikalchirurgischen Behandlung im Sinne der Harnblasenentfernung zugeführt worden. Bei 77/218 Patienten wurde eine kontinente Harnableitung und bei 141/218 Patienten eine inkontinente Harnableitung (Beutellösung) durchgeführt.

Radikale Cystektomie mit kontinenter Harnableitung
33% der Männer (54/160) und 43% (n=23/52) der Frauen haben eine kontinente Form der Harnableitung erhalten. Dabei kommen als kontinente Formen nachstehende Harnableitungen zur Anwendung:

Ileumneoblase 69% (53/77)

Harnleiterdarmimplantation 17% (13/77)

Ileocoecalpouch 5% ( 4/77)

Ileumpouch 9% ( 7/77)

Radikale Cystektomie mit inkontinenter Harnableitung
Inkontinente Formen der Harnableitung sind das Ileumconduit oder die doppelläufige Harneiterhautfistel, wo beide Harnleiter in einen (n=1) Beutel ausgeleitet werden. Vorteil ist der Verzicht auf einen Darmeingriff bei insbes. älteren und comorbiden Patienten.

Doppelläufige Harnleiterhautfistel 70% (98/141)
Conduit 30% (43/141)

Die Schnitt Nahtzeit beträgt infolge der Einführung von Behandlungspfaden und standard operating procedures (SOP`s) mittlerweile für den Gesamteingriff (radikale Cystektomie mit Lymphadenektomie und kontinenter Harnableitungen) 180 min (149-243) und für den Gesamteingriff bei inkontinenter Harnableitung 92 min (63-135). Im Mittel werden 1.4 Erythrocytenkonzentrate (0-8) benötigt.

37.5% der Tumore (82/218) sind organüberschreitend (pT3b/pT4) oder/und weisen eine Lymphangiosis (pL1 29%), Lymphknotenmetastasen (pN1 22%) oder Fernmetastasen (M1 4%) auf. Die Rate tumorfreier Absetzungsränder beträgt 91%. Die Mortalität beträgt 3.6% (8/218). ). Die postoperative Verweildauer beträgt 17.3 Tage (range: 7-54 Tage), wobei alle Patienten bis zum vollständigen Abschluss der Behandlung stationär verbleiben. Trotz der excellenten Daten zur Cystektomie ist der Eingriff bei Patienten mit lokal weit fortgeschrittenen und an der Beckenwand infiltrierend wachsenden Tumoren nicht sinnvoll. Hier finden supravesikale Harnableitungen unter Belassen der Harnblase Anwendung (n=16).

Indikation zur postoperativen Chemotherapie
Die Indikation zur systemischen Chemotherapie erfolgte bei 40% der Patienten. Grund ist eine lymphogene Metastasierung (L1/pN1/2) oder das Vorliegen von Organmetastasen (M1). Im Falle der Metastasierung erfolgt die Gabe von Gemcitabine,Cisplatin im Sinne einer induktiven Chemotherapie (2-4 Zyklen je nach Ansprechen). Unter adjuvanter Zielsetzung, d.h. ohne bildgebend messbaren Tumor erfolgt die Applikation von 2 Zyklen Methotrexat, Cisplatin. Die Chemotherapie erfolgt nach Beendigung der Anschlussheilbehandlung, spätestens 3 Monate pop.

Fazit
Die kontinente Harnableitung wird bei 33% der Männer und 43% der Frauen gewählt. Methode der Wahl ist die Ileumneoblase. Alternativ wird die Harnleiterdarmimplantation, der Ileocoecalpouch mit Appendixstoma oder wahlweise mit Indiananippel angewandt. Seit 2006 führen wir den Ileumpouch als Neusser Weiterentwicklung des Verfahrens an.
Das neuroprotektive Vorgehen ist günstig für die Kontinenz im Rahmen der geplanten Neoblasenanlage beim Mann und obligat bei der Frau!
Die Harnleiter Hautfistel mit Versorgung über nur ein Stoma ist bei multimorbiden Patienten und unter palliativer Indikation eine für den Patienten schonende Harnableitung ,verkürzt den Krankenhausaufenthalt und mindert die Morbidität.
Die Operation mit Resektion im Gesunden, d.h. R0 Resektion ist trotz fortgeschrittener Tumorstadien möglich und beträgt für die Stadien T1-T3b,Nx,Mo 100%!
Im T4 Stadium ist eine R0 Resektion in 50% erzielt worden. Im Falle der lymphogenen Metastasierung ist eine R0 Resektion bei 81% der Patienten erreicht worden.
Bei 22.5% der Patienten, d.h. bei jedem 4. bis 5. Patienten findet sich ein Zweitkarzinom! Die praeoperative Diagnostik im Hinblick auf das Vorliegen eines Prostata- Nieren- Rektum- Mamma- oder Lungenkarzinoms ist sinnvoll.
Die perioperative Mortalität beträgt 3.6% (8/218). Die dilatative Kardiomyopathie stellt in diesem Zusammenhang bei 4/8 verstorbenen Patienten ein besonderes Risiko dar und sollte Anlass geben die geplante operative Maßnahme zu überdenken und nach alternativen Behandlungsmethoden wie Strahlentherapie oder Radiochemotherapie zu suchen.

Literatur der Arbeitsgruppe
T.Otto
Urologische Tumoren
In: Update Hämatologie/Onkologie 2007,Hersgb.:S.Petrasch,G.Ehninger, S146-199,2007.

T.Otto et al.
Solide Tumoren
In: Medizinische Therapie 2007/2008,Hrsgb.:J.Schölmerich,S215-275,2007.

S.Krege,T.Otto et al.
Harnblasenkarzinom
In: Lehrbuch der Uro Onkologie,Hrsgb.: H..Rübben,Springer Verlag ,2007.

M.Stöckle, T.Otto et al.
Therapie und Prognose des lymphogen metastasierten Harnblasenkarzinoms
DtschÄrztebl.104(14):959-963,2007.

G.Jakse, T.Otto et al.
Metastasiertes Harnblasenkarzinom
DtschÄrztebl.104(15):1024-1028,2007..

T.Otto
Geänderte Indikation zur Harnableitung -Anspruch an die Lebensqualität
DtschÄrztebl.104(40):2741,2007.

T.Otto
Das Harnblasenkarzinom
Krebsmagazin (20):6-8,2008.

T.Otto, H.Gerullis, C.Eimer
Urologische Tumoren
In: Update Hämatologie/Onkologie 2008,Hersgb.:S.Petrasch,G.Ehninger.

T.Otto
Metastasenchirurgie urologischer Tumore: In engen Grenzen erfolgreich
URO-NEWS 9:2-4,2008.

T.Otto
Uro-Onkologie-Update
Urologe 48()):1056-1058,2009.

T.Otto
Urologische Tumore,S.149-262
In: Colloqium Onkologie 8,2009.

 

Qualitätskontrolle der Nierentumorbehandlung

2007-2011

 

Urologische Klinik der Städtischen Kliniken Neuss, Lukaskrankenhaus GmbH

 

Die organbegrenzte Erkrankung
Die Operation ist die einzige kurative Therapie. Die radikale Tumornephrektomie ist als Behandlungsverfahren akzeptiert. Die Therapieergebnisse sind von der Ausdehnung des Primärtumors abhängig. Selbst Patienten mit fortgeschrittenen Nierentumoren und Cavathrombus profitieren von einer Tumorentfernung.

Die günstigen Ergebnisse einer nierenerhaltenden Resektion von kleinen Nierenzellkarzinomen haben in Verbindung mit einer verbesserten operativen Technik zu einer breiten Anwendung des Operationsverfahrens geführt. Durch moderne Techniken der Gewebeklebung und Tumorentfernung unter Erhalt eines funktionsfähigen Restorgans können wir immer mehr Patienten eine sog. organerhaltende Tumorentfernung anbieten.

 

Ergebnisse
Im Zeitraum von 2007-2011 haben wir 343 Patienten erfolgreich an einem Nierentumor operiert. Ca. 1 Drittel der Patienten haben wir unter Erhalt des Restorgans operiert, wobei der Anteil der organerhaltenden Nierentumorresektionen in den letzten beiden Jahren deutlich zunimmt. Die Blutungsgefahr ist im Rahmen der gewebeschonenden Operationstechniken gering. Nur 34/343 (9.9%) Patienten haben am Operationstag Blut benötigt. Dabei betrug die Operationszeit bei 114/343 Patienten weniger als 60 min. Die Operation konnte bei 173/343 (50%) der Patienten in weniger als 120min erfolgreich beendet werden. Bei einer lokal fortgeschrittenen Tumorerkrankung mit Einwachsen in Nachbarorgane und Befall der Blutgefäße betrug die Operationszeit bei 56/343 Patienten (16%) weniger als 3 Stunden. Dementsprechend ist die Krankenhausverweildauer nach einer derartigen Operation für 81% der Patienten <10 Tage. Kein Patient ist operationsbedingt verstorben!

Literatur der Arbeitsgruppe zum Thema
T.Otto
Urologische Tumoren
In: Update Hämatologie/Onkologie 2006,Hersgb.:S.Petrasch,G.Ehninger, S179-219,2006.

T.Otto
Urologische Tumoren
In:Update Hämatologie/Onkologie 2007,Hersgb.:S.Petrasch,G.Ehninger, S146-199,2007.

T.Otto et al.
Solide Tumoren
In: Medizinische Therapie 2007/2008,Hrsgb.:J.Schölmerich,S215-275,2007.

Otto T. et al.
Results from the german “compassionate use program-CUP” for Temsirolimus (TEMSR) in patients with advanced renal cell cancer (RCC) disease.
Onkologie 30(Suppl):97,2007

T.Otto
Nierenzellkarzinom-State of the Art
Pharma Fokus Onkologie 1(4),33-38,2007.

P.H.M.De Mulder, T.Otto et al.
Current status of targeted therapy in metastatic renal cell carcinoma
EurpeanUrology 6(10),665-671,2007

P.H.M.De Mulder, T.Otto et al.
The future role of immunotherapy and targeted therapy
EurpeanUrology 6(10),672-674,2007

C. Eimer, H. Gerullis, T. Otto
Targeted therapy des metastasierten Nierenzellkarzinoms (mRCC)
Onkopipeline, 2008;1:82–90

T.Otto
Aktuelle Aspekte in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms
Onkologe, in press

T.Otto, H.Gerullis, C.Eimer
Urologische Tumoren
In:Update Hämatologie/Onkologie 2008,Hersgb.:S.Petrasch,G.Ehninger

T.Otto, H.Gerullis, C.Eimer, A.Musch
Temsirolimus-mTOR als neue Zielstruktur in der Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms
Arzneimitteltherapie 26(8):275-282,2008

T.Otto, H.Gerullis, C.Eimer
Temsirolimus in renal cell carcinoma
Transplantation Proceedings 40:36-40,2008

T.Otto
Nierenzellkarzinom: mTOR-Inhibitor kontrolliert einsetzen.
Medical Tribune (3):11,2008.

T.Otto
Metastasenchirurgie urologischer Tumore: In engen Grenzen erfolgreich
URO-NEWS 9:2-4,2008

H.Gerullis, L.Bergmann, L.Maute, C.Eimer, T.Otto
Experiences and practical conclusions concerning Temsirolimus use and adverse events management in advanced renal cell carcinoma within compassionate use program in Germany.
Cancer Chemother Pharmacol, 2009, 63(6), pp. 1097-1102

C.Eimer,H.Gerullis,T.Otto
Targeted Therapy des metastasierten Nierenzellkarzinoms
Onkopipeline 1(3):82-90,2008

T.Otto
Neue Therapiemöglichkeiten in der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms
Onkologische Pharmazie 10(4):18-19,2008.

T.Otto
Nierenzellkarzinom: Gute Lebensqualität länger erhalten
Onkologie 6:54,2008.

T.Otto et al.
Targeted Therapy in der Uro Onkologie
DZO, 41:10-14,2009

T.Otto
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MTOR als neue Zielstruktur in der Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms
In: mTOR Inhibition-Ein neuer Wirkmechanismus in der Onkologie Herausgeber: T.Otto, Uni-Med Verlag,2009.

T.Otto et al.
Standards in der Nierentumorbehandlung
In: mTOR Inhibition-Ein neuer Wirkmechanismus in der Onkologie Herausgeber: T.Otto, Uni-Med Verlag,2009.

T.Otto et al.
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Erfahrungen auus dem Compassionate Use Programm
In: mTOR Inhibition-Ein neuer Wirkmechanismus in der Onkologie Herausgeber: T.Otto, Uni-Med Verlag,2009.

T.Otto et al.
Therapiemanagement unter Temsirolimus
In: mTOR Inhibition-Ein neuer Wirkmechanismus in der Onkologie Herausgeber: T.Otto, Uni-Med Verlag,2009.

T.Otto et al.
MTOR Inhibition in der Therapie des metatsasierten Nierenzellkarzinoms: viele Fragen-erste Antworten
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Feasibility of sequential use of sunitinib and temsirolimus in advanced renal cell carcinoma
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Important Aspects of Organ-Preserving Surgery for Renal Tumors – Indications, New Standards, and Oncological Outcomes: Organ Preservation Not 100% Possible
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Urologische Tumore,S.149-262
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T. Otto
Offene Fragen in der Therapie des metastaierten Nierenzellkarzinoms
Deutsche Zeitschrift für Onkologie 41:1-2,2009

T.Otto
Das Interview: Neue Wirkprinzipien und Methoden in der Behandlung metastasierter Nierentumore haben die bisherigen Standards zum Teil völlig verschoben.
Deutsche Zeitschrift für Onkologie 41:1-2,2009.

 

 

 
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